Schneeschuhtouren bei der Potsdamer Hütte


Kurzinfo:

Datum: 03. – 05.03.2019
Gebiet: Stubaier Alpen
Ausgangspunkt: Sellrain Parkplatz Eisbrücke
Zielpunkte: Potsdamer Hütte; Kastengrat 2648 m.; Roter Kogel 2832 m.; Sellrain
Unterkunft / Einkehr: Potsdamer Hütte 2009 m.
Tagestour: Nein
Streckenlänge: Kastengrat 5 km; Roter Kogel 10 km jeweils ab Potsdamer Hütte hin und zurück.
Höhenmeter: Aufstieg Potsdamer Hütte 900; Kastengrat ab Hütte 650; Roter Kogel ab Hütte 870.
Zeit ohne Pausen: Aufstig Hütte 3 Std.; Kastengrat ab Hütte 2 Std.; Roter Kogel ab Hütte 3:45 Std. hin und zurück; Abstieg Tal 2:30 Std.
Gesamtzeit: Kastengrat ab Hütte 4:15 Std.; Roter Kogel ab Hütte 6 Std. hin und zurück; Abstig Hütte – Tal 2:30 Std.; 
Schwierigkeit WT 3 – 4 SAC
   

 

Übersicht Kastengrat:

Maximale Höhe: 2668 m
Minimale Höhe: 2020 m
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Übersicht Roter Kogel:

Maximale Höhe: 2863 m
Minimale Höhe: 2034 m
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Die Tour:

Im Winter ist der Weg zur Potsdamer Hütte etwas weiter als im Sommer. Das liegt daran, dass man im Sommer bis zum Bergheim Fotsch hochfahren kann. Im Winter parkt man kurz nach Sellrain bei der Eisbrücke im Fotscher Tal. Damit hat man 900 Hm bis zur Hütte im Aufstieg zurück zu legen. Doch das schreckte die acht Schneeschuhgeher aus Straubing nicht. Am Sonntag brach man schon früh in Straubing auf und stand um 8:15 h an entsprechendem Parkplatz.

Ohne Schneeschuhe ging es hinauf auf dem Fahrweg, der im Winter als Rodelbahn genutzt wird. Der Schnee war so fest gefahren, dass es sich bequem darauf gehen ließ. Schnell war das Bergheim Fotsch erreicht. Man blieb an der Abzweigung auf dem Fahrweg und stieg weiter zur Potsdamer Hütte hinauf. Irgendwann trat der Wald zurück und die Blicke wurden frei für die umliegenden Berge. Auch die Sonne kam heraus. Obwohl der Wetterbericht ständig etwas anderes sagte.

Von der Zeit her lag man sehr gut, als um kurz nach 11:00 Uhr die Hütte erreicht wurde. Wir waren so früh dran, das unser Lager noch nicht bezugsfertig war. Also nahm man erst einmal in der Hütte Platz um etwas zu trinken und eine Kleinigkeit zu essen. Die Wirtin machte bevorzugt unser Lager fertig, so dass wir danach unsere Rucksäcke dort erleichtern konnten. Schließlich war das Tagesziel noch nicht erreicht. Wir wollten noch einen Berg besteigen.

Gleich neben der Hütte standen die Wegweiser. Auf einem davon stand Kastengrat. Genau da wollten wir hin. Nach dem obligatorischen LVS-Check ging es gleich heftig aufwärts. Da ja die Skitourengeher immer granteln wenn sich die Schneeschuhgeher ihrer Spuranlage bedienen, war man froh, eine eigens angelegte Spur zu finden. Sie führte fast in der direkten Falllinie nach oben, so dass sie ein Skitourengeher ohnehin nicht hätte nutzen können. Dafür gewann man ziemlich schnell an Höhe, bis man über einen Rücken ein kleines Plateau erreichte. Dort stand ein weiterer Wegweiser, der unter anderem in Richtung Kastgengrat deutete.

Dort hinauf gab es nur noch teilweise eine alte Skispur, die bereits mit Schnee verweht war. Diese machte man sich dann trotzdem zu Nutze, weil sie sich als tragfähig erwies. Neben der Spur brach man trotz der Schneeschuhe immer wieder ein. Da diese Spur eben nur noch teilweise zu erkennen war, musste man über große Strecken spuren. Immer wieder galt es Hänge mit 30 Grad und mehr zu überwinden. Unter bester Geländeausnutzung wurden Serpentinen und direkte Linien angelegt. Die Lawinenstufe stand bei 2 und die Verhältnisse sowie die Meinung des Hüttenwirts liessen die Lage als eher unkritisch einstufen. Der obere Teil des Kastengrates war ziemlich abgeblasen, so dass man sich stellenweise über Graspolster und Schrofen schwindeln musste. Mit Schneeschuhen ist das genauso unangenehm wie mit Ski. Man kratzte noch über eine kleine Felsrippe und stand dann auf einem breiteten Rücken, der kurz zur trigonometrischen Stangenmarkierung hinaufleitet. Ein Gipfelkreuz gab es dort nicht und auch die Markierungsstange war umgefallen, trotzdem hatten wir 2648 m erreicht. Für den Aufstieg haben wir ca. 2:30 h gebraucht.

Über den gleichen Weg wurde abgestiegen, was sich im oberen Teil als nicht so ganz einfach erwies. Mit Schneeschuhen kann man auch nicht bei jedem steilen Hang direkt in Falllinie absteigen. Hangquerungen und Richtungswechsel zwischen Schrofen und hartem Firn sind ganz eigene Herausforderungen und bedürfen einer guten Gehtechnik. Querungen in steilen Hängen mit harschiger Oberfläche wurden in der „Haureintechnik“ (nach Sepp Zwinger) bewältigt. Ähnlich wie mit Steigeisen setzt man einen Fuß neben den anderen und rammt jedes Mal die Schuhspitzen mit den Schneeschuhzacken in den Hang. Der restliche Schneeschuh hängt dabei nach unten durch.

Gut, dass es hier keine Skifahrer gab. Hangquerungen sind für Schneeschuhgeher immer schwierig. Eine Gruppe kann sich beim Aufstieg schon eine gute Trasse für den Abstieg anlegen. Leider werden diese im Abstieg notwendigen Trassen durch Abschwingen und seitliches Triften von Skifahrern oft zerstört. Konnte man im Aufstieg den Harschdeckel noch breit treten, hat man nach einer eben beschriebenen Bearbeitung kaum noch eine Chance auf eine vernünftige Spur.

Schnell waren die schwierigsten Stellen mit verschiedensten Abstiegsvarianten gemeistert und es ging gemütlich der Hütte zu. An diesem Tag wurden 1500 Höhenmeter im Aufstieg und 600 Höhenmeter im Abstieg geleistet. Da hatte sich jeder das schmackhafte Menü auf der Hütte wohl verdient.

Am nächsten Tag hatte man wieder Glück mit dem Wetter. Es gab blauen Himmel und Sonnenschein. Eine Störung war zwar angekündigt, aber erst gegen Abend. Also wurde erst einmal entspannt gefrühstückt. Auf unserem Tisch wurde von der netten Hüttencrew eine Wurst- und Käseplatte sowie verschiedene Brotsorten und Marmeladen bereit gestellt. Der Kaffee wurde an den Tisch gebracht. Ein feiner Service. Dennoch war man früher als geplant mit dem Frühstück fertig und alle waren abmarschbereit.

Wie schon am Tag zuvor, ging es den steilen Hüttenhang hinauf, bis zu dem Wegweiser. Heute zeigte er den Weg in Richtung Roter Kogel. Es ging in leichtem Auf und Ab um den Kastengrat herum. Über die Schafalm leicht ansteigend, zunächst auf den markanten Sömen zuhaltend und dann über die lange Fläche an den Gipfelaufbau des Roten Kogels heran. Von dort ging es etwas steiler in einen Sattel, auf dem man rechts dem Grat zum Gipfel folgte. Der Grat war ziemlich abgeblasen und wieder schauten Grasmatten und Felsen heraus. Dieses Gelände ließ sich jedoch in der rechten Flanke leicht umgehen und so gewann man den schneefreien Gipfel mit 2832 m. Gemütlich und mit Pausen hatten wir 3:30 h für den Aufstieg gebraucht.

Man wurde mit bester Fernsicht belohnt. Vom Karwendel bis zur Ruderhofspitze und noch weiter, ragten unzählige Gipfel empor. Doch im Inntal draußen zeigten sich bereits dunklere Wolken. Im Süden konnte man eine Föhnwalze sehen und hohe, schnell ziehende Schleierwolken kündigten den vorhergesagten Wetterwechsel an. Man beschloss also nicht mehr zu lange zu bleiben und stieg über den Aufstiegsweg auch wieder ab. Immer mehr Cumuluswolken kamen von Westen her über die Gipfel und bald wurde die Sonne abgeschirmt. Teilweise hatte der Wind die Spur verblasen und das Licht war etwas diffus, so dass es nicht immer ganz leicht war, die alte Spur wieder zu treffen. Doch die grobe Abstiegsrichtung war klar. Nach 2:30 h Abstieg hatten wir die Hütte wieder erreicht.

Da es erst 14:30 Uhr war, setzten sich noch ein paar ganz Sonnenhungrige auf die Terrasse. Aber nicht lange, dann begann es zu schneien und sie verzogen sich wieder ins Innere der Hütte. In der Nacht stürmte es so heftig, dass der Wind den Schnee durch die Ritzen des Daches in die Gesichter des einen oder anderen Schläfers blies und ihn weckte.

Für den nächsten Tag wäre der Schaflegerkogel auf der anderen Talseite geplant gewesen. Beim Frühstück beriet man, ob man das wirklich angehen wollte. Dafür sprach, dass es wieder schön geworden war. Doch die Aussicht auf eine verblasene, kaum auffindbare Spur legte den Verdacht nahe, dass man über weite Strecken spuren müsste. Dazu kam, dass man die gut 700 HM mit vollem Gepäck zurück legen müsste. Deshalb entschied man sich ins Tal abzusteigen. Es war ja auch noch ein langer Fußmarsch hinunter und eine ebenso lange Heimfahrt zu absolvieren.

Außerdem hatte man die letzten zwei Tage schon tolle Ziele erreicht. Der Stolz der Teilnehmer war durchaus berechtigt. Hat man doch gezeigt, dass es auch mit Schneeschuhen möglich ist hochalpine Wintertouren über 2600 m. und Tagesaufstiege von 1500 HM zu bewältigen und das in teilweise schwerem Gelände.

Es war eine rundum schöne Tourenzeit, mit tollen Teilnehmern und schönen Eindrücken einer winterlichen Gebirgslandschaft.

Bilder von:
Alexander Franz

Jochen Heindl

Sepp Zwinger

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Wichtiger Hinweis:

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